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Einkaufen zu Mutters Zeiten

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In einem Dorf der Fünfziger und Sechziger Jahre besaßen nur wenige Menschen ein Auto. Deshalb fuhren wir meist mit dem Fahrrad einkaufen. Auf diese Weise konnten wir unsere Taschen an die Lenker hängen oder auf dem Gepäckträger befestigen. In meinem Dorf gab es mehrere Bäckereien, einen Metzger, Friseure, eine Drogerie, ein Raiffeisenlager und unzählige Tante-Emma Läden in einem Vorderzimmer der Hausbesitzer.

Man konnte fast alles kaufen, was man brauchte: Brot, Lebensmittel, Spielzeug, Schulbedarf (beim Frisör), Zeitschriften und Tabak, Film, Garn, Wolle, Kleidung und Toilettenartikel. Diese Läden waren im ganzen Dorf verstreut und es war nicht ungewöhnlich, ein Kind allein ins Geschäft zu schicken. Jeder kannte jeden und wusste daher, wessen Kind man war. Wenn wir Schuhe brauchten, fuhren wir mit dem Fahrrad in den Nachbarort mit seinen zwei Schuhgeschäften. Wir gingen zu Fuß zum Bauern, um Milch zu holen. Im Herbst halfen mein Großvater und meine Mutter bei der Kartoffelernte eines befreundeten Bauern, um unseren Wintervorrat zu verdienen. Mein Bruder und ich waren natürlich auch dabei. So kam es, dass ich mit sieben Jahren auf dem Feld Traktor fahren durfte, denn alle Hände wurden zum Aufladen der Säcke auf den Wagen gebraucht.

Das Leben im Dorf änderte sich, als die Menschen anfingen, Autos zu kaufen. Eins nach dem anderen verschwanden die Tante-Emma Läden und Supermärkte schossen aus dem Boden. Sie boten eine größere Auswahl mit oft günstigeren Preisen an, aber der menschliche Kontakt ging verloren. Vorbei sind die Zeiten, als man mit dem Geschäftsbesitzer oder den Kunden beim Einkauf plaudern konnte und die Dorfneuigkeiten erfuhr.

Foto: Deutsche Fotothek (Roger Rössing)

Getting Around in 1950s Germany

The 1950s in West Germany were a time of economic boom and Volkswagen celebrated the one-million car milestone. Cars became a common sight in cities and many people dreamed of owning their own car.

But for the average German, car ownership did not become a reality until the 1960s and 1970s (in the late 1960s only one of my classmates had a dad who owned a car). In the meantime, the most important modes of transportation were: Our two feet, which carried us around the village and the neighboring villages. Of course, back then you could find most of life’s necessities in your village since mom-and-pop stores were common.

If you were lucky, you owned or co-owned a second-hand bicycle, which greatly increased your mobility. With your own two wheels you were able to visit relatives, attend dances and other festivities, go sight-seeing, go shopping, and run errands. My dad told me once that he rode his bike to the hospital when he had appendicitis in the late 1940s. That was a 10-mile trip! Clearly, my parents were made of stronger stuff than I am…